Die Bandgeschichte - Teil I


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In den 60er Jahren waren Rock ‚n’ Roll Gruppen, wie die Beatels oder die Rolling Stones angesagt. Viele Jugendliche träumten von einer ähnlichen Karriere. Einer von diesen Träumern war Kerry Livgren aus der kleinen Ortschaft Topeka in Kansas. Kerry war Gitarrist und hatte seine erste Band, „The Gimlets“, im Alter von 14 Jahren gegründet. Mit 18 Jahren spielte er 4 Monate in einer Band namens „The Melotones“. Nachdem Kerry 3 Jahre an der Washburn Universität studiert hatte, verließ er sie ein Jahr vor dem Abschluss. Sein Vater, ein leitender Angestellter bei Goodyear und selbst Hobbymusiker, war entsetzt über diesen Beschluss; er wusste, wie schwer es war im Musikbuissness Fuß zu fassen. Kerry ließ sich von seiner Entscheidung aber nicht mehr abbringen. Im Jahr 1968 gründete er eine Band, die den Namen „Saratoga“ trug.
Zur selben Zeit führte der Schlagzeuger Phil Ehart, der zusammen mit Kerry die Schulbank der Topeka West High School gedrückt hatte, die Band „White Clover“ an. White Clover war erfolgreich in New Orleans, wo die Band im Sommer 1969 90 Tage in Folge fünf Sets pro Nacht spielte. In diesem Jahr spielte die Band auch beim New Orleans Pop Festival, was für Phil ein prägendes Erlebnis war. Er spielte vor 30 000 Menschen. „Nach diesem Auftritt“, erinnert Phil sich, „wusste ich genau, dass Schlagzeugspielen genau das ist, was ich für den Rest meines Lebens tun wollte.“

Anfang 1970 besuchte Phil Freunde in Topeka. Dabei hörte er eine Probe von Kerry’s Band Saratoga. Beide erkannten die individuellen Stärken ihrer Bands und entschieden sich, die besten Musiker aus beiden Bands auszuwählen, um eine lokale Superband zu gründen. Einer der Gründe für diese Entscheidung war laut Livgren auch, dass nicht mehr alle Bandmitglieder die Musik so ernst nahmen, wie man es musste, wollte man erfolgreich und bekannt werden. Einer von den „besseren“ Musikern war der Bassist Dave Hope. Er war ebenfalls ein ehemaliger Schulkamerad von Kerry und hatte erst mit 16 begonnen, Bass Gitarre zu spielen. Zuvor hatte er Trompete und Tuba gelernt. Die erste Band, in der er während der Zeit seines Militärdienstes eingetreten war, war nach dem Sänger benannt und hieß „Tom Collins and The Mixers“. Dave stieß von der Gruppe „Rain“ zu White Clover. Er war es, der als Bandnamen „Kansas“ vorschlug.

Kansas bestand zunächst aus folgenden acht Mitgliedern: Phil Ehart, Lynn Meredith, Dave Hope, Kerry Livgren, Dan Wright, Larry Baker, Greg Allen und Don Montre. Da aber einer der beiden Sänger die Band nach nur wenigen Wochen verließ, hatte sie ihren ersten Liveauftritt in einer Tanzbar in Topeka nur zu siebt. Den einzige größere Auftritt hatte Kansas am 12. Dezember 1970 in New Orleans, als sie als Vorband von den Doors spielten. Jim Morrison von den Doors lud einige der Kansas Musiker zu einem Jam auf die Bühne ein, der als Abschluß des Konzertes geplant war. Morrison starb wenige Wochen darauf in Paris. Einige der Bandmitglieder von Kansas hatten also beim letzten Lied, das die Doors live je spielten, mitgewirkt.
Im Herbst 1971, nachdem die Band über ein Jahr zusammen gewesen war, trennte man sich. Kerry gründete eine zweite Version der Band, wieder waren sieben Mitglieder dabei. Phil und Dave riefen White Clover erneut ins Leben. Im selben Jahr reiste Phil nach England. Er erhoffte sich, dort Musik im Stil von Genesis oder Yes spielen zu können. Allerdings wurde er enttäuscht. Die Engländer waren mehr an gutem Bluse und Country interessiert. Nach nur drei Monaten kehrte er ausgebrannt in seine Heimat nach Topeka zurück. Als er zurück war, beschloss er, White Clover erneut zu gründen, diesmal allerdings als professionelle Vollzeitband. Er gewann den Sänger und Keyboarder Steve Walsh für sein Projekt. Steve, der in St. Joseph, Missouri, lebte war froh, dass er nicht weiter als Fensterputzer arbeiten musste. Er hatte nie Gesangunterricht genommen und hatte auch nur – von seiner Mutter gezwungen – ein Jahr Klavier gelernt. Die beiden Musiker schickten ein Band an Robby Steinhardt, einen Geigenspieler und Sänger aus Lawrence in Kansas. Robby’s Adoptivvater war Professor für Musikwissenschaften an der Uni in Kansas, wodurch Robby 16 Jahre lang eine klassische Musikausbildung erhalten hatte. Er war unter anderem zweimal in Wien gewesen, wo er auch in europäischen Orchestern mitgespielt hatte – er ist der einzige der Kansas Urbesetzung, der eine klassische Musikausbildung hat. Robby, der seine Band Graywack verlassen hatte und von seinem schwindendem Erbe lebte, ließ sich von Phil überzeugen. Bald darauf hörten Dave Hope und Gitarrist Richard Williams von dem Projekt und wollten mitwirken. Beide waren kurz zuvor bei der erfolgreichen Band Plain Jane rausgeflogen.
 

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©by Markus Hanselmann