STEVE WALSH - Keyboard, Gesang


 Biographie

Diskographie



Steve Walsh
 
 
Steve Walsh wurde am 15.06.1951 in St. Joseph in Missouri geboren. Er hatte schon als kleiner Junge angefangen, zu singen und Keyboard zu spielen. Allerdings bekam er nie richtigen Gesangsunterricht. Seine Mutter zwang ihn dazu, ein Jahr lang Klavierunterricht zu nehmen. "Es war nicht so schlimm.", erinnert sich Steve heute, "Als das Jahr vorbei war, war ich zeitgleich in drei Bands."

Im Herbst 1971 bekam Steve einen Anruf von dem Drummer Phil Ehart. Dieser wollte eine professionelle Band namens White Clover gründen und Steve als Sänger und Keyboarder rekrutieren, da dieser laut Phil "damals schon einfach alles konnte". Steve sagte zu. Er war froh, dass er seinen Job als Fensterputzer loswerden konnte. Zuvor hatte er sein Geld unter anderem als Tankwart und Kellner verdient, obwohl er "im Grunde seines Herzens schon immer Musiker gewesen war."

Nachdem mit Kerry Livgren ein weiterer Songschreiber hinzugekommen war und die Band durch Robby Steinhardt, Dave Hope und Richard Williams vervollständigt war, schaffte es Kansas, einen ersten Plattenvertrag abzuschließen. Walsh und Livgren waren hauptverantwortlich für das Schreiben der Songs. Die großen Erfolge hatte allerdings Livgren mit Carry On Wayward Son oder Dust In The Wind geschrieben. Steve litt darunter, er wollte selbst einen Hit schreiben. Der Druck lastete so stark auf ihm, dass er die Band während der Aufzeichnungen von Point Of Know Return sogar für drei Tage verließ. Während der anschließenden Tour durch Europa bekam Steve die Chance auf dem Soloalbum "Please Don't Touch" von Steve Hackett, dem Ex-Gitarristen von Genesis, mitzuwirken.
 
Im Laufe der Zeit entfernten sich Steve und Kerry sowohl menschlich als auch musikalisch gesehen immer weiter. Steve wollte weg vom Image der Klassik-Rocker, er war mit der musikalischen Richtung der Band nicht länger einverstanden. Er wollte mehr in Richtung Hard-Rock und Rock 'N' Roll, gegen den Wiederstand von Livgren und Steinhardt. Dennoch setzte er sich anfangs durch. Auf dem Album Audio Visions kam die Geige kaum zur Geltung. Das Album floppte kommerziell, genau wie Steve's erstes Soloalbum, Schemer-dreamer, dass er 1979 nach der Point Of Know Return Tour aufgenommen hatte und 1980 veröffentlicht hatte. Dies war sicherlich einer der Gründe, warum er die Band verließ. Ein weiterer war wahrscheinlich, dass Kerry Livgren, der zwischenzeitlich den "Wiedergeborenen Christen" beigetreten war, immer religiösere Songtexte schrieb, mit denen Steve nichts anfagen konnte. Später gab er dies in einem Interview zu: "Ich konnte Kerrys religiösen Mist einfach nicht mehr singen. Ich bin ein Entertainer, kein Prediger."
Steve Walsh gründete nach seinem Weggang von Kansas im Jahre 1982 die Gruppe Streets. Hierzu fand er in Mike Slamer, dem Ex-Gitarristen der Gruppe City Boys, dem Bassisten Billy Greer, der zuvor bei QB war und dem Drummer Tim Gehrt die geeigneten Mitstreiter. Streets ging mehr in Richtung Hard Rock. Die meisten der Lieder schrieben Walsh und Slamer zusammen. 1983 veröffentlichte die Gruppe ihr erstes Album "1st". Am 28. Oktober 1983 nahm die Band das legendäre King Biscuit Flower Hour Konzert in Pittsburgh auf, das 1997 auf CD veröffentlicht wurde. Nachdem die Gruppe 1985 das zweite Album, "Crimes In Mind", herausgebracht hatte, erkannte Walsh, dass er in eine Sackgasse geraten war. Das Label Atlantic Records unterstützte die Gruppe nicht in dem Maße, wie Steve es sich gewünscht hatte. Mit dem Projekt hatte er viel Geld, dass er investiert hatte, verloren.


Steve Walsh
 
Für Steve waren die Mißerfolge seines Soloalbums und seiner neuen Band ein schwerer Schlag. Er half sich mit Drogen und Alkohol. Erst Ende der 90er schaffte er es, wieder völlig clean zu werden.
Dennoch beschloßen er und Phil Ehart 1986 zusammen mit Rich Williams, Kansas zu reformieren. Neu im Bunde waren Steve's Streets-Mitstreiter Billy Greer und der Gitarrist der Dixie-Dregs, Steve Morse. Letzterer und Walsh schrieben den Großteil der Lieder der folgenden beiden Kansasalben. Mit All I Wanted schrieb Steve ein Lied, das es bis auf Platz 19 der Charts schaffte. Auf dem Album Freaks Of Nature, die im Mai 1995 erschien, schrieb er fast das gesamte Album selbst. Allerdings konnte Kansas, das ohne Kerry Livgren arbeitete, dennoch nicht an die alten Erfolge anknüpfen. Steve arbeitete aber an zahlreichen anderen Projekten wie Jeff Watson's "Around The Sun" (1993) mit.

1990 bekam Steve einen Anruf von Trevor Rabin von Yes, da Sänger Jon Anderson die Band verlassen hatte. Walsh jammte einen Tag lang mit der Gruppe; aus einer Zusammenarbeit wurde allerdings nichts, da er das Gefühl hatte, dass die Plattenfirma keinen amerikanischen Sänger haben wollte.

Im Jahre 2000 veröffentlichte Steve Walsh mit "Glossolalia" sein zweites Soloalbum, ein Album, das ihm wichtiger war als das vorerst letzte Kansas Studioalbum, Somewhere To Elsewhere, das zeitgleich in Arbeit war. Steve machte nur unter der Bedingung mit, dass er keine Lieder für das Album schreiben musste und seine Gesangparts zu Hause aufnehmen konnte. Mit Glossolalia beweist er erneut, dass er einer der ganz großen im Musikgeschäft ist und dass seine Sogschreiberqualitäten - leider - oft nicht die Anerkennung fanden, die sie verdient hätten. Im Gegensatz hierzu wird er nicht zu unrecht als einer der besten Rocksänger aller Zeiten geschätzt - eine Gabe, die ihm zu vielen Projekten Zugang verschafft, wie z.B. Trent Gardeners Projekt Leonardo, The Absolute Man.
 





©by Markus Hanselmann